Arbeitszensur

Diese Woche wurden bei uns Arbeiten in fast allen Fächern geschrieben. Viele der jüngsten Schüler kamen ganz aufgeregt in die Schule und einige weinten sogar. Das ließ in den höheren Klassen natürlich nach. Dort war es bereits uncool, wie sie so sagen, wenn man heult. Auf jeden Fall bin ich fleißig am Korrigieren und versuche gerade bei meinen Unterrichtsklassen herauszufinden, warum welche Fehler gemacht wurden und wer Nachhilfe benötigt. Bei den meisten sind es jedoch Schusselfehler, die unnötig sind und mich dann immer rasend machen. Unkonzentration ist der Feind der fleißigsten Mäuse.

Dabei weise ich immer wieder darauf hin, dass die Aufgaben in Ruhe gelesen werden sollen, damit Antworten passen. Bei Diktaten lese ich erst den Text bzw. die Geschichte, dann den vollen Satz und dann diktiere ich nach und nach die Wörter. Eigentlich ist das zu schaffen. Gerade bei den Diktaten übe ich vorher die schweren Wörter und die Rechtschreibung, die ich auch beim Lesen mit besonderer Betonung hervorhebe. Das wissen die Schüler von mir. In meinen Arbeiten gibt es keine fremden Überraschungen. Zum Schluss eines jeden Diktates gibt es noch eine kleine Übung mit fünf neuen Wörter. Ich lasse die Schüler sich ausprobieren, ob sie Ähnlichkeiten zu anderen Wörter erkennen und diese umsetzen können. Diese Übung fließt nicht in die Benotung der Arbeit ein, sondern zeigt mir den aktuellen Lernstand der Schüler und weist mich an, welche Übungen danach folgen müssen.

Eine Berichtigung der Arbeiten ist unerlässlich. Dafür gibt es auch immer eine Frist von einer Woche zur Berichigung. In der Hinsicht bin ich ganz streng. Denn Fehler zu machen ist kein Problem, diese jedoch nicht lösen bzw. verbessern zu wollen, um sich weiter zu bilden, schon.


Mit freundlichen Grüßen


Juliane Hähnel

29.3.11 17:13, kommentieren



Lernnachmittage

Als gewissenhafte Grundschullehrerin möchte ich auch die lernschwächeren Grundschüler helfen, das Lernen leichter zu schaffen. Ich habe mir an zwei Mittagen Zeit genommen und werde unterschiedliche Fächer anbieten. Mein Hauptziel ist es jedoch den Schülern das sichere Lesen beizubringen, auch in Bezug auf die Rechtschreibung. Das zusätzliche Lernen werde ich erstmal den Dritt- und den Fünftklässlern anbieten. Ich habe mich für diese Jahrgangsstufen entschieden, um die kleineren zu fördern und die größeren zu sichern.

Als Übung werde ich auch besonders bei den Jüngsten noch spielerisch agieren, damit sie die Lust am Extralernen nicht verlieren. Ach kleinere Portionen an Süßigkeiten liegen bereit. Es soll ein gemütliches Üben sein, dass zwar streng, aber mit Freude an der Sache geleitet wird.

Mittlerweile haben schon zehn Schüler zugesagt. Die meisten kenne ich, denn ich habe gerade den Schülern, die in meinem Deutschunterricht sind, empfohlen wenigstens einmal nachmittags vorbei zu schauen. Sollte mein Angebot von zwei Tagen nicht ausreichen, werde ich natürlich noch ein weiteren anbieten. Doch zu mehr Tagen wird mir die Zeit fehlen, denn ich muss ja auch genügend Zeit haben, um meinen Unterricht vorzubereiten. Außerdem habe ich auch Sprechzeiten für Eltern, die Fragen über Fragen zu den Leistungen ihrer Kinder fragen. Ich meine, das stört mich ja nicht. Ich finde es sehr vorbildlich, wenn die Eltern sich um die Kinder genügend kümmern. Doch bei manchen schüttelts mich echt. Sobald Kitik am Lernverhalten oder direkt am Verhalten der Kinder im Unterricht getan wird, ist es wie ein Bombeneinschlag. Viele der Eltern können dies nicht nachvollziehen, denn die Kinder sind zu Hause ja ganz anderns, ganz artig. Doch, dass sie hier sich mal richtig austoben und ab und zu mal frech werden, das wollen sie nicht hören.

Mit freundlichen Grüßen


Juliane Hähnel

15.3.11 16:26, kommentieren

Ursula Sarrazin

Kürzlich ist ja Ursula Sarrazin, Frau des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin, ins Kreuzfeuer der Medien geraten. Ihr wird vorgeworfen, die Kinder der Grundschulklassen, die sie unterrichtet hat, unter Druck gesetzt, gedemütigt und beleidigt zu haben. Sie streitet die Vorwürfe ab, doch die Stimmen diesbezüglich verdichten sich zunehmends. Ich habe letztens ein Interview in meinem Lieblings-Wochenmagazin, dem Spiegel, gelesen und muss sagen, dass ich mir ihrer Person nicht sicher bin. Das Magazin veröffentlichte das Schreiben eines besorgten Elternteils eines der mutmaßlich betroffenen Kinder. In dem Brief ist von regelrechtem Mobbing die Rede und davon, wie sehr das Kind unter seiner Angst vor Frau Sarrazins Unterricht gelitten hätte. Frau Sarrazin wiederum spricht ja davon, dass Schüler sie beleidigt und regelrecht terrorisiert hätten. Da ich selbst Grundschullehrerin bin, ist mir bewusst, wie sehr einem das Unterrichten zu schaffen machen kann. Ich persönlich habe Glück, dass es an meiner Schule wenig Kinder gibt, die einem Sorgen bereiten müssen. Selbst Schüler aus sozial schwachem Millieus, werden bei uns nicht auffällig. Allerdings habe ich von Kollegen schon die haarsträubendsten Geschichten gehört. Darüber wie Schüler ihren Lehreren gegenüber gewalttätig wurden oder sie regelrecht aus der Stelle geekelt hätten. Auch Frau Sarrazin gibt ja an, sie sei Opfer einer Hetzkampagne. Ich möchte mir kein Urteil erlauben, da ja jede Geschichte zwei Seiten hat und ich beide nicht genügend kenne. Jedoch muss ich gestehen, dass ich mehr mit den betroffenen Kindern fühle, als mit Ursula Sarrazin, was jedoch vermutlich mehr an ihrem Ehemannn liegt. Ich stelle also fest, dass auch ich mich dem Einfluss der Medien nicht entziehen kann. Mit freundlichen Grüßen, Juliane Hähnel

28.2.11 13:39, kommentieren

Zeitgenössisch

Meine Tochter schlug mir letztens vor etwas an meinem Leseverhalten zu ändern. Nicht, dass sie damit nicht einverstanden wäre. Sie fand jedoch, es wäre an der Zeit für mich etwas Neues auszuprobieren. Ich befasse mich ja zumeist mit der Weltliteratur und deutschem Dichtertum. Zeitgenössische Romane habe ich bisher eher gemieden. Ich muss gestehen, ich hatte so meine Vorurteile. Meine große Leidenschaft ist die Sprache und Stilistik anspruchsvoller Literatur. Ich liebe es wenn ein Schriftsteller oder Dichter allein durch wortgewaltige Beschreibugen von Eindrücken und Emotionen Bilder in meinem Kopf zeichnet. Diese Fähigkeit habe ich aktuellen Autoren eher weniger zugerechnet. Gegen das Argument meiner Tochter, dass Literatur seit jeher neue Horizonte eröffnet und ich mich dieser Tatsache mehr öffnen sollte, kam ich nicht an. Natürlich hat sie recht, weshalb ich sie bat, mir doch einige ihrer Lieblingsbücher auszuleihen. Gestern hat sie nun fast eine ganze Wagenladung bei mir abgeliefert. Ich wage mich nun in ganz neue belletristische Gefilde. Ich habe mit einem ihrer Lieblingsautoren angefangen: Nick Hornby.

 

 

Der Titel des Romans lautet "A Long Way Down" und handelt von fünf vollkommen unterschiedlichen Personen, verschiedener Herkunft und mit komplett konträrem sozialen Hintergrund, die sich alle zufällig auf dem Dach eines Hochhauses treffen. Jeder von ihnen hat dieses Gebäude aufgesucht, um seinem Leben ein Ende zu bereiten. Durch diesen eigenartigen Zufall, wird dieses Vorhaben zunächst nicht in die Tat umgesetzt, sondern aufgeschoben und der Leser beginnt die Protagonisten kennen zu lernen. Zunächst fand ich die Sprache zu vulgär. Doch Hornby beschreibt die Charaktäre nicht nur, er illustriert sie so glaubhaft, dass jeder von ihnen mir real vor dem inneren Auge erscheint. Ich kann mittlerweile gar nicht aufhören zu lesen.

Mit freundlichen Grüßen,

Juliane Hähnel

2 Kommentare 4.2.11 10:36, kommentieren

Begeisterung teilen

Liebe Leser,


Sie erkennen meine Interesse, wenn Sie meinen Blog überfliegen, und ich bin Ihnen dankbar, sich bitte bei mir nur zu melden, wenn Sie ähnliche Interessen teilen. Mein eingangs veröffentlichter Text rief dazu auf, Kontakt mit mir aufzunehmen. Und ich bin dankbar für jeden, der dieses versucht hat. Allerdings, waren neben sehr netten Menschen auch herablassende Kommentare zu lesen. Auch wenn Sie auf „alte Omas“ stehen, müssen Sie mir dieses nicht mitteilen. Ehrlich gesagt, bin ich auf der Suche nach Menschen, die genauso viel Freude erleben, wenn sie eine Wagner-Oper hören oder vor dem Bild „Judith köpft Holofernes“ von Caravaggio stehen.


Mein erster Eintrag in diesen Blog ist der Wunsch, mit solchen Menschen Gemeinschaft zu haben, mit ihnen Musik zu hören, sich über Literatur auszutauschen oder auch Ausstellungen zu besuchen. Es ist wunderbar, schöne Erlebnisse mit anderen Menschen teilen zu können. Begeisterung weiter zu geben und von der Faszination anderer sich anstecken zu lassen. Wie schnell ist sonst die eigene Freue verlöscht, oder aber auch eindimensional, nein, sie wächst doch, wenn man sie teilt. Das ist schon ein verrücktes Paradoxon, dass mir noch nie so wirklich einleuchten mochte. Auch während meiner Arbeit als Kindergärtnerin konnte ich Momente beobachten, in denen die Kinder sich gegenseitig ansteckten, inspirierten, sodass sie innerhalb weniger Sekunden, Aufgaben lösen konnten, zu denen sie vorher nicht in der Lagen waren. Kinder nehmen diese besonderen Moment ganz natürlich, während für mich, seit dem ich etwas älter geworden bin, diese Moment als etwas ganz tolles, außergewöhnliches wahrnehme.


Liebe Leser, falls sie auch auf der Suche nach solchen gemeinsamen Erlebnisse sind, würde ich mich darüber freuen, mich mit Ihnen meine Begeisterung zu teilen. Allen anderen Lesern möchte ich bitten, keinen Kontakt zu mir aufzunehmen.

21.1.11 15:18, kommentieren

Caravaggio der Dramatiker

Welche Dramatik so ein Caravaggio. „Der ungläubige Thomas berührt die Wunden Jesus. Von einer Berührung kann in dem Gemälde von Michelangelo , so wie sich Caravaggio selbst nennt, nicht sein. Thomas steckt den ganzen Finger in die Wunde Jesu. Mit weiten Augen und die Stirn in Falten gelegt betrachtet er das Verschwinden seines Fingers. Begleitet von zwei anderen Jüngern, die mindestens genauso fasziniert von der Anatomie des Gott-Menschen sind. Genauso wie er in diesem Bild diese Szene dramatisiert, so übertreibt Caravaggio mit seinem Namen. Auf die Frage seines Mäzenen, wie er heiße, antwortet der noch junge Caravaggio mit Michelangelo. Sein großes Vorbild Michelangelo Buonarroti, der sein Jüngstes Gericht an die Kuppel der Sixtinischen Kapelle malte. Der rund hundert Jahre später geborene Junge, ist mindestens genauso begabt, wie sein großes Vorbild. Caravaggio zählt zu den Meistern der Lichtinszenierung. Er setzt das Licht, um der Szene eine Dramatik zu geben, die heute noch auf den Bildern spürbar ist. Man könnte fast sagen, er ist inszeniert. Wie die modernen Filmemacher könnte auch bei ihm der Begriff Mise-en-scène verwendet werden, der erst mit der Nouvelle Vague in den 60er Jahre diesen Jahrhunderts in Frankreich in den Sprachgebrauch kam.


Der italienische Maler des Frühbarock ist nicht nur bekannt für seine beindruckende realistische Bildgestaltung. Die Legende, die kurz nach seinem Tod schon in aller Munde ist, erzählt von einem verruchten Künstler. Bis heute ist dieser Mythos von Caravaggio ungebrochen. Ein großer Teil dieses Mythos entstand durch die androgynen Jungen und stadtbekannten Huren, die er als Modelle für seine Gemälde verwendete. Sie führten dazu, dass Caravaggio ein Hang zur Homo- und Bisexualität zugeschrieben wird. Doch auch ohne der Legende, die Bilder zeigen von seiner meisterhaften Kunst, die er bis zu seinem Tod im Jahre 1610 ausübte.

7.1.11 18:22, kommentieren

Medienkompetenz

Liebe Leser,

vielleicht sollte ich mich etwas weiter vorstellen, damit Sie mich besser kennen lernen und vielleicht mit mir Kontakt aufnehmen. Seit vielen Jahren bin ich Grundschullehrerin, ich liebe meinen Beruf, auch wenn er sich stark verändert hat. Oder eigentlich hat sich der Beruf nicht geändert, aber seine Anforderungen, da die Kinder anders geworden sind. Oh, ich merke wie schwierig es ist, es richtig zu formulieren. Eigentlich sind es gar nicht die Kinder, die sich geändert haben. Denn sie sind weiterhin, begeisterungsfähig, unschuldig und offen. Viel mehr ist es ihre Umgebung, die sich geändert hat, die natürlich, um sie länger sie ihr ausgesetzt sind, auch sie selbst ändert. Und da mich eine andere Umgebung geprägt hat, liegt wohl darin der Unterschied zwischen ihnen und mir.
Oper Heute wachsen die Kinder mit viel mehr medialen Einflüssen auf, oft merke ich, dass Kinder von ihren Eltern vernachlässigt werden, was diesen Einfluss noch weiter steigert. In diesen Medien werden sie in sehr jungen Jahren mit Gewalt und Sex konfrontiert. In meiner Jugend wurde ich erst sehr spät an gewisse Themen herangeführt.

Kindern wird sehr früh eine Fähigkeit abverlangt, die wir älteren Menschen nicht so sehr lernen müssen. Die Kinder müssen filtern können, was sie sehen, hören und später lesen wollen. Sie müssen viel früher als wir damals Verantwortung für das übernehmen, was sie über ihre Sinne aufnehmen. Denn es wird ihr gesamtes Leben beeinflussen.

Ich liebe Opern , hätte ich viel früher Zugang dazu gehabt, wäre ich wohl heute ein anderer Mensch. Ich sehe es als meine Aufgabe, die Kinder zu schulen, zwischen den Angeboten zu unterscheiden, allerdings bin ich selbst diesen vielen Angeboten nicht gewachsen. Sehen Sie mein Dilemma?

Mit freundlichen Grüßen
Juliane Hähnel

27.12.10 22:00, kommentieren


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